10. Oktober 2016
Pressemitteilung zur Fotoausstellung:
Jugend in Europa: Über Grenzen und Chancen

Internationale Jugendpartnerschaft der Jugendarbeit Kelkheim (Taunus) und Rahovec/Orahovac beschäftigt sich intensiv mit Europäischer Bürgerschaft.
„Kosovo! Bekanntes/ Unbekanntes Europa! Deutsch-kosovarische Jugend auf dem Weg zum europäischen Verständnis“ ist eine Jugendbegegnung gemäß der Leitaktion Mobilität des Programms „Jugend in Aktion/ Erasmus+“. Durchgeführt wird die Jugendbegegnung von den Institutionen SHL (Students Helping Life) – Kosova und der Jugendarbeit der Stadt Kelkheim (Taunus). Beide Institutionen arbeiten schwerpunktmäßig in der außerschulischen Jugendbildung mit Fokus auf Förderung der Kreativität und Eigeninitiative im weiteren beruflichen und/ oder bildungsrelevanten Lebenslauf. Die pädagogische Arbeit basiert auf nach europäischen Prioritäten geltenden Grundlagen wie Kulturelle Vielfalt, Inklusion, Antirassismus/ Antisemitismus und Bekämpfung von Diskriminierungen von Minderheiten aufgrund sexueller Orientierung und Geschlecht. Pädagogische Arbeit findet nach dem Prinzip der außerschulischen Jugendbildung, der offenen Jugendarbeit, Seminararbeit und individueller Beratung statt.

„Jugend in Europa: Über Grenzen und Chancen“ ist nun eine fotografische Retrospektive der seit 2011 durchgeführten Jugendbegegnungen. Bereits zweimal war eine Jugendgruppe aus Kelkheim (Taunus) Gast in Rahovec/ Orahovac, Kosovo und 2013 gab es den Gegenbesuch. Im April 2017 ist eine weitere Begegnung in Kelkheim (Taunus) geplant. Die ausgestellten Bilder dokumentieren insbesondere die Gemeinsamkeiten, die die Jugendlichen in Europa eint. Gesprochen wird aber auch über schwer überwindbare Grenzen in vielerlei Hinsicht. Eine Jugendgruppe aus dem Kosovo und Jugendliche aus Kelkheim sowie die Mitarbeiter der städtischen Jugendarbeit als auch der Bürgermeister freuen sich vor Ort auf einen regen Austausch über die Bedeutung von internationalen Jugendbegegnungen in Europa und der ganzen Welt.

Weiterer Hintergrund der Jugendbegegnungen waren auch Gesprächsrunden mit Jugendlichen aus Familien mit direkten Wurzeln in ehemaligen jugoslawischen Landesteilen mit Austausch und Bearbeitung der jeweiligen Migrationserfahrung. Das Bedürfnis der jungen Menschen, ihre familiäre Heimat in den 2010er Jahren zu erfahren und der Wunsch, sie ihren Freunden näher-zubringen, war primärer Inhalt des Jungentages der Jugendarbeit der Stadt Kelkheim (Taunus).

Passend zu dem Wunsch der pädagogischen MitarbeiterInnen, internationale Jugendarbeit in Kelkheim zu etablieren mit der Teilnahme an der Jugendpolitischen Initiative „JiVE – Jugendarbeit international, Vielfalt erleben“ mit der Unterinitiative „KGI – Kommune goes international“, kam der Wunsch direkt von einigen Jungen, eine Jugendbegegnung in die albanisch dominierte Gemeinde Montenegros (Ulcinj) und später in den Kosovo durchzuführen. Die Jugendarbeit nahm den Wunsch dankbar auf und fand mit SHL (Students Helping Life) – Kosova eine kompetente Partnerorganisation.

Pädagogische Zielsetzung der beschriebenen Jugendbegegnungen sind Weiterentwicklung der teilnehmenden Jugendlichen im Bereich Interkulturelle Kompetenz, Sensibilität für Andersartigkeit, Vielfalt und Toleranz, kritische Auseinandersetzung mit eigenen Vorurteilen, Sensibilität für medial konstruierte Feindbilder, Selbstbewusstsein in der eigenen kulturellen Identität, Wertschätzung kulturell Andersdenkender, Verständnis europäischer Bürgerschaft, Festigung und Erweiterung der sozialen Kompetenzen, Mut zur Auseinandersetzung mit fremden/ unbekannten Situationen und den damit verbundenen erhöhten Chancen auf dem Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt.

Weitere Ziele sind die Sensibilität für und die Auseinandersetzung mit Themen wie Entwicklung demokratischer Strukturen, Mitbestimmung in gesellschaftlichen Prozessen und demokratischer Grundwerte wie Freiheit, Selbstbestimmung und Respekt vor Menschenrechten. Und nicht zuletzt der Umgang der Menschen mit der Natur.

In Vergangenheit besuchten wir kulturell und historisch wichtige Stätten des kosovarischen Selbstverständnisses wie die Madrasa in Rahovec/ Orahovac, das Museum der albanischen Liga in Prizren, diverse Moscheen und orthodoxe Kirchen und Stätten der Unabhängigkeitsbewegung des osmanischen Reichs. Formal bearbeiten wir oben genannte Ziele der Jugendbegegnung auf Workshop-Basis, indem wir moderiert Erfahrungen sammeln, Einschätzungen eruieren, Schwierigkeiten in der Umsetzung erörtern, Themen strukturieren und Kernthematiken, welche für die Jugendgruppen beider Nationen von primärem Interesse ist, herausarbeiten.

Auf Basis dieser Kernthematiken planten wir die visuelle, künstlerische Umsetzung. In den vergangenen Jugendbegegnungen waren das die Kurzfilme „Everybody has an identity“ und „Living with Nature“, welche die Thematiken: Identität und Umgang mit der Natur im deutsch-kosovarischen Vergleich visualisierten. Natürlich ist auch Raum für die interkulturelle Begegnung, wie das gemeinsame Kochen, das Erlernen albanischer Tänze und gemeinsames Musizieren. Teilnehmer der Jugendbegegnung sind eine multikulturelle Gruppe von ca. 30 Jugendlichen aus beiden Nationen. Die deutsche Gruppe bildet sich aus TeilnehmerInnen mit kosovarischem, türkischem, afghanischen, irakischem und deutschem Hintergrund. Die Gastgruppe kommt mit 10 Teilnehmern albanischem, serbischen, Roma- und Ashkali-Hintergrund.

Die Jugendbegegnung ist als langfristige Jugendpartnerschaft konzeptioniert.